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EU AI Act für den Mittelstand: Pflichten, Fristen, Risikoklassen

Stand: 21. Juli 2026 · Team ki-agenten-lokal.de (Über uns)

Der EU AI Act — offiziell Verordnung (EU) 2024/1689 — ist die weltweit erste umfassende KI-Regulierung. Sie ist am 1. August 2024 in Kraft getreten und gilt gestaffelt: Die ersten Pflichten greifen seit Februar 2025, die Breite der Anforderungen folgt bis August 2026. Wichtig für den Mittelstand: Die Verordnung betrifft nicht nur KI-Hersteller, sondern ausdrücklich auch Betreiber — also jedes Unternehmen, das KI-Systeme beruflich einsetzt, vom Chatbot im Kundenservice bis zum Bewerbungs-Screening.

Die Fristen im Überblick

StichtagWas gilt ab dannRelevanz für Betreiber
2. Februar 2025 Verbotene Praktiken (Art. 5) und Pflicht zur KI-Kompetenz (Art. 4) Mitarbeitende, die mit KI arbeiten, müssen nachweislich geschult sein — das betrifft praktisch jedes Unternehmen mit KI-Nutzung
2. August 2025 Pflichten für Anbieter von GPAI-Modellen (Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck), Governance- und Sanktionsvorschriften Indirekt: Anbieter eurer Cloud-Modelle müssen Transparenz liefern; wer Open-Weight-Modelle nur intern betreibt, ist in der Regel kein GPAI-Anbieter
2. August 2026 Allgemeine Geltung: Transparenzpflichten (Art. 50) und die Hochrisiko-Anforderungen nach Anhang III Der wichtigste Stichtag für Betreiber: Wer KI in Personalauswahl, Kreditvergabe, kritischer Infrastruktur o. ä. einsetzt, braucht ab jetzt Dokumentation, Aufsicht und Protokollierung
2. August 2027 Ende der Übergangsfristen für Hochrisiko-KI in regulierten Produkten (Anhang I, z. B. Medizinprodukte, Maschinen) Relevant für Hersteller regulierter Produkte mit KI-Komponente

Die vier Risikoklassen

Der AI Act reguliert nicht „KI" pauschal, sondern nach Risiko des konkreten Einsatzes:

Was Betreiber konkret tun müssen

  1. Inventur: Welche KI-Systeme sind im Einsatz — inklusive Schatten-KI über Privat-Accounts? Ohne vollständige Liste ist keine Risikoeinstufung möglich.
  2. Risikoeinstufung dokumentieren: Jeden Anwendungsfall einer der vier Klassen zuordnen und die Einstufung begründen. Für die meisten Fälle ist das eine halbe Seite — aber sie muss existieren.
  3. KI-Kompetenz nachweisen (Art. 4): Schulung für alle Mitarbeitenden, die KI-Systeme bedienen — verpflichtend seit Februar 2025.
  4. Bei Hochrisiko-Fällen: Betreiberpflichten nach Art. 26 umsetzen — Einsatz nach Anbieter-Vorgaben, menschliche Aufsicht, Eingabedaten-Kontrolle, Aufbewahrung der Protokolle.
  5. Transparenz sicherstellen: KI-Kontakt gegenüber Kunden kennzeichnen, KI-generierte Inhalte markieren.

Warum lokale KI die Nachweispflichten vereinfacht

Fast alle Betreiberpflichten laufen auf dieselbe Frage hinaus: Könnt ihr belegen, was eure KI wann mit welchen Daten getan hat? Bei Cloud-Diensten hängt die Antwort von den Auskünften des Anbieters ab — Modellversionen wechseln ohne Ankündigung, Logs liegen außerhalb des eigenen Zugriffs. Auf eigener Infrastruktur ist Nachvollziehbarkeit eine Konfigurationsfrage: Modellversion, Prompts, Datenflüsse und Audit-Logs liegen im eigenen Haus und lassen sich revisionsfest aufbewahren. Ein lokaler Stack erfüllt den AI Act nicht automatisch — aber er macht aus einer Vertrauensfrage gegenüber Dritten eine interne Dokumentationsaufgabe.

Quellen Verordnung (EU) 2024/1689 im Volltext (EUR-Lex) · EU-Kommission: Regulatory framework for AI — maßgeblich ist ausschließlich der Verordnungstext; dieser Leitfaden ist eine redaktionelle Zusammenfassung und keine Rechtsberatung.

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